Gemeindestandort-Indikator Kanton Solothurn
Mit dem Gemeindestandort-Indikator hat die Solothurner Handelskammer gemeinsam mit der BDO AG erstmals die wirtschaftliche Standortqualität der wichtigsten Gemeinden im Kanton Solothurn untersucht und bewertet. Untersucht wurden 40 Gemeinden mit mehr als 2’000 Einwohnern und/oder mehr als 1'000 Beschäftigten im zweiten und dritten Sektor. Obwohl deckt die Analyse rund 74 Prozent der Bevölkerung sowie knapp 85 Prozent aller Beschäftigten im Industrie- und Dienstleistungssektor ab.
Die Bewertung erfolgt anhand von fünf gleich gewichteten Themenfeldern: «Steuern und Gebühren», «Verkehrsanbindung», «Bauen, Reglemente, Flächen», «Umgebung und Lebensqualität» sowie «Weitere Standortfaktoren». Jedes Themenfeld fliesst mit maximal 20 Punkten in die Gesamtbewertung ein. Insgesamt konnten maximal 100 Punkte erreicht werden.
Die Ergebnisse zeigen: Der Kanton Solothurn verfügt über zahlreiche attraktive Wirtschaftsstandorte. Gleichzeitig bestehen zwischen den Gemeinden erhebliche Unterschiede. Besonders deutlich werden diese bei der Verkehrsanbindung, den steuerlichen Rahmenbedingungen sowie bei der Verfügbarkeit von Entwicklungsflächen.
Oensingen ist die attraktivste Standortgemeinde
Mit 71.25 Punkten erreicht Oensingen den Spitzenplatz im kantonalen Vergleich. Die Gemeinde überzeugt insbesondere durch ihre ausgezeichnete Verkehrsanbindung, starke Ergebnisse bei den baurechtlichen Rahmenbedingungen sowie ihre wirtschaftliche Substanz. Ausschlaggebend ist jedoch vor allem die ausgewogene Leistung über sämtliche Themenfelder hinweg.
Auf den weiteren Spitzenplätzen folgen Olten (70 Punkte) und Däniken (69 Punkte). Während Olten vor allem von seiner Rolle als regionales Zentrum profitiert, überzeugt Däniken insbesondere durch seine steuerliche Attraktivität. Auffällig ist, dass sich die erfolgreichsten Gemeinden über den gesamten Kanton verteilen. Eine einzelne dominante Region existiert nicht. Gemeinden entlang der wichtigsten Verkehrsachsen und in der Nähe regionaler Zentren erzielen jedoch überdurchschnittlich häufig hohe Bewertungen.
Däniken führt bei Steuern und Gebühren
Im Themenfeld «Steuern und Gebühren» erreicht Däniken die höchste Bewertung. Die Gemeinde profitiert insbesondere von attraktiven Steuerfüssen für natürliche und juristische Personen. Dahinter folgen Härkingen, Bettlach, Dornach und Lohn-Ammannsegg.
Die Steuerbelastung ist weiterhin einer der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren im interkommunalen Standortwettbewerb. Unterschiede bei Wasser-, Abwasser- oder Abfallgebühren spielen ebenfalls eine Rolle, beeinflussen die Rangierung jedoch deutlich weniger stark als die Steuerfüsse.
Oensingen und Zuchwil teilen sich die Spitze bei der Verkehrsanbindung
Die Verkehrsanbindung ist ein wichtiger Faktor bei der Standortattraktivität. Oensingen und Zuchwil erreichen in diesem Themenfeld die höchsten Bewertungen.
Beide Gemeinden profitieren von ihrer Nähe zur Autobahn, kurzen Distanzen zu regionalen und nationalen Zentren sowie einer guten Einbindung in den öffentlichen Verkehr. Dahinter folgen Solothurn, Biberist, Olten und Egerkingen.
Die Ergebnisse verdeutlichen die Bedeutung der zentralen Verkehrsachsen im Kanton Solothurn. Gemeinden im Gäu, im Raum Olten und entlang der A1 profitieren von ihrer guten Erreichbarkeit und ihren kurzen Verbindungen nach Basel, Bern und Zürich. Für Unternehmen bleibt die Verkehrsanbindung ein entscheidender Faktor bei Standortentscheiden und Investitionen.
Oensingen überzeugt bei Bauen, Reglementen und Flächen
Auch im Themenfeld «Bauen, Reglemente und Flächen» erreicht Oensingen den Spitzenplatz. Dahinter folgen Bettlach, Däniken, Dulliken, Bellach und Zuchwil.
Bewertet wurden unter anderem die Aktualität der Ortsplanung, die Verfügbarkeit von Arbeitszonen, die Verfügbarkeit von sofort nutzbaren Gewerbeflächen sowie die Preisniveaus von Bauland und Arbeitszonen.
Die Ergebnisse zeigen eine zunehmende Verknappung von Entwicklungsflächen. Während einige Gemeinden weiterhin über substanzielle Reserven verfügen, sind die Möglichkeiten für Neuansiedlungen oder Erweiterungen vielerorts begrenzt. Besonders deutlich wird dies bei sofort verfügbaren und bezugsbereiten Arbeitszonen.
Die Untersuchung macht deutlich, dass die Verfügbarkeit von Bauland und Gewerbeflächen zu einem strategischen Standortfaktor geworden ist. Gemeinden mit ausreichenden Flächenreserven verfügen über einen wichtigen Wettbewerbsvorteil für zukünftiges Wachstum.
Grenchen steht bei Umgebung und Lebensqualität an der Spitze
Im Themenfeld Umgebung und Lebensqualität erreicht Grenchen mit 16 Punkten den Spitzenplatz. Auf den weiteren Spitzenrängen folgen Derendingen (15 Punkte), Balsthal und Subingen (je 14.5 Punkte) sowie Solothurn (14 Punkte). Ebenfalls in den Top 10 klassieren sich Bellach, Olten, Egerkingen, Erlinsbach und Hägendorf.
Die Bewertung berücksichtigt die Bereiche Umwelt und Naherholung, Schulen und Ausbildung, Familien- und Jugendarbeit sowie Wohnen. Besonders erfolgreich sind Gemeinden, die attraktive Bildungs- und Betreuungsangebote mit hoher Wohn- und Lebensqualität verbinden.
Die Analyse zeigt unterschiedliche Erfolgsmodelle. Grössere Zentren profitieren insbesondere von ihren Bildungsangeboten und Betreuungsstrukturen. Ländlich geprägte Gemeinden punkten dagegen häufig mit hoher Umweltqualität, grosszügigen Naherholungsräumen und attraktiven Wohnkosten.
Olten erzielt die höchste Bewertung bei den weiteren Standortfaktoren
Im Themenfeld Weitere Standortfaktoren erreicht Olten mit 16.75 Punkten den Spitzenplatz. Dahinter folgen Solothurn (16.5 Punkte), Oensingen (15.5 Punkte) sowie Biberist und Zuchwil mit je 14.5 Punkten. Ebenfalls in den Top 10 liegen Egerkingen, Däniken, Balsthal, Grenchen und Hägendorf.
Berücksichtigt werden dabei die wirtschaftliche Substanz einer Gemeinde, die Wirtschaftspolitik, die Organisation der Verwaltung, die Wirtschaftsfreundlichkeit der Bevölkerung sowie die vorhandenen Versorgungs- und Ortsangebote.
Olten und Solothurn profitieren insbesondere von ihrer hohen Arbeitsplatzdichte, ihrer regionalen Zentrumsfunktion sowie ihrem breiten Dienstleistungs- und Infrastrukturangebot. Oensingen, Biberist und Zuchwil zeigen, dass auch stark positionierte Wirtschafts- und Agglomerationsgemeinden in diesem Themenfeld sehr gute Resultate erzielen können.
Die Ergebnisse zeigen gleichzeitig, dass mittelgrosse Gemeinden durch wirtschaftliche Substanz, eine aktive Wirtschaftspolitik, wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen und moderne Verwaltungsstrukturen attraktive Standortbedingungen schaffen können.
Grundlage für die Weiterentwicklung
Der Gemeinde-Standortindikator versteht sich nicht als abschliessendes Urteil, sondern als Arbeitsinstrument. Er soll Gemeinden, Wirtschaft und Politik dabei unterstützen, Chancen und Handlungsfelder zu erkennen. Gemeinsam mit der in Solothurn ansässigen publicXdata AG stellt die Solothurner Handelskammer deshalb den teilnehmenden Gemeinden sämtliche Detailresultate zur Verfügung. Der Zugang zum Online-Tool findet sich weiter unten.
Gleichzeitig schafft Gemeinde-Standortindikator eine Ausgangslage, um die Entwicklung der Standortqualität künftig regelmässig zu beobachten und Fortschritte sichtbar zu machen.
Bericht und Medienmitteilung als Download
Zugang zum Online-Tool für Gemeinden
Die teilnehmenden Gemeinden beim Gemeinde-Standortindikator des Kantons Solothurn erhalten exklusiven Zugang zu den Detaildaten, wobei diese Daten nur für den internen Gebrauch sind. Das Online-Tool für Gemeinden wurde durch publicXdata erstellt und zur Verfügung gestellt. Der Zugang ist nur mit eigenem Login und Passwort möglich.